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VERANSTALTUNG
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Anlage übersenden wir eine Ankündigung zur Veranstaltung »Der Krieg im Inneren - Irakische Frauen und Mädchen zwischen Demokratie und Terror« - 26. November 2004, 19:00 Uhr, Humboldt-Universität Berlin - zu der wir Sie herzlich einladen.
Die ReferentInnen Adrin Takhsh, Amira Voss, Mary Kreutzer und Christian Knoop werden über die Situation vor und nach dem Sturz Saddam Husseins berichten, über die Schwierigkeiten und Erfolge irakischer Frauen bei ihrem Kampf um mehr Rechte, über die nach wie vor weit verbreitete häusliche Gewalt, Genitalverstümmlungen und sogenannte »Gewalt der Ehre« und Konzepte, gegen diese Gewalt vorzugehen und den Opfern zu helfen.
Im Anschluss der Veranstaltung stehen die ReferentInnen für Interviews und Gespräche zur Verfügung.
Auf Wunsch stellen wir gerne auch einen direkten Kontakt zu Projekten vor Ort und/oder unserem Büro im Irak her, wo sich zur Zeit auch einer unserer deutschen Mitarbeiter befindet. Informationen zu WADI - Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit und zu den Hilfsprojekten von WADI im Irak finden Sie im Internet unter www.wadinet.de.
Sollten Sie bereits jetzt mehr Information zum Thema wünschen, so senden wir Ihnen auf Anfrage gerne eine Textsammlung zur Situation von Frauen im Irak zu.
Über Ihr Interesse würden wir uns sehr freuen.
Mit freundlichem Gruß
Thomas Uwer für WADI Direktkontakt - 0172 - 3052691
WADI e.V. Herbornerstr. 62 60439 Frankfurt/Main
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Anlage
Der Krieg im Inneren Irakische Frauen und Mädchen zwischen Demokratie & Terror
Freitag, 26. November 2004 | 19.00 Uhr Humboldt-Universität| Hauptgebäude| Unter den Linden 6|Raum 30.38
Eine Veranstaltung von WADI e.V. - Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungs- zusammenarbeit, mit Unterstützung des Europäischen Zentrums für kurdische Studien/Berlin, des RefRats der HU-Berlin und der Kurdistan AG der FU-Berlin.
Terror und Gewalt kennzeichnen das Bild des Irak auch anderthalb Jahre nach dem Ende des Krieges. Entwicklungen, die außerhalb der Auseinandersetzung zwischen der irakischen Übergangsregierung und den Koalitionstruppen auf der einen, islamischen und nationalistischen Terroristen auf der anderen Seite liegen, werden zumeist nur am Rande wahrgenommen. Zumal über die Situation irakischer Frauen, die mit dem Sturz des Ba'thstaates die Hoffnung auf mehr Rechte und eine größere Beteiligung an den politischen Entwicklungen des Landes verbanden, herrscht weitgehend Unkenntnis. Bis heute hat sich das Bild eines zwar diktatorischen aber doch säkularen Staates erhalten, der Frauen stärker als in anderen Ländern der Region an Bildung und Wirtschaftsleben partizipieren ließ. Tatsächlich aber litten Frauen unter dem Regime Saddam Husseins unter einer Vielzahl von Repressionen. Nach dem Sturz der Diktatur sind im ganzen Irak Fraueninitiativen entstanden, die sich für mehr Rechte und eine stärkere Beteiligung von Frauen in politischen Gremien und dem öffentlichen Leben einsetzen. Im Frühjahr 2004 verhinderten irakische Frauenrechtlerinnen, dass Regelungen aus der Scharia im Familien- und Zivilrecht übernommen wurden, wie es islamische Parteien im Regierungsrat durchsetzen wollten. Vielerorts sind Frauenzentren entstanden, in denen Opfer männlicher Gewalt betreut werden oder Frauen eine Ausbildung erhalten. Doch Aktivistinnen und Initiativen sind immer stärker bedroht vom Terror islamistischer Gruppen vor allem im Zentralirak. Häusliche Gewalt, sogenannte »Verbrechen der Ehre« und auch Genitalverstümmlungen sind vor allem in ländlichen Regionen verbreitet.
Über die Situation der Frauen im Irak und die Bewältigung der diktatorischen Vergangenheit, über den Terror islamistischer und nationalistischer Gruppen sowie über die Chancen und Perspektiven irakischer Frauen sprechen:
Adrin Takhsh, Assyrische Frauenunion in Deutschland, Rüdesheim
Adrin Takhsh wird über die Situation im Zentralirak und vor allem in Bagdad berichten, über die Gewalt islamischer Milizen gegen Frauen und die Probleme irakischer Christinnen, sich gegenüber der Gewalt zu behaupten.
Amira Voss, irakische Juristin, Berlin
Amira Voss wird über die (rechtliche) Situation von Frauen vor und nach dem Sturz des Ba'thregimes sprechen, über Entwicklungen im Nordirak, wo Fraueninitiativen bereits seit Jahren aktiv für mehr Rechte streiten sowie über die Chancen und Perspektiven der Beteiligung von Frauen an einem neuen Irak.
Mary Kreutzer, Projektleiterin WADI/Österreich, Wien
Mary Kreutzer wird über ihre Erfahrungen der konkreten Arbeit mit Frauen im Nordirak sprechen, wo WADI Frauenzentren unter anderem in der Hauraman-Region unterstützt, die jahrelang von der radikal-islamischen »Ansar al-Islam«-Miliz kontrolliert wurde, sowie über Gewalt gegen Frauen und Genitalverstümmlungen.
Christian Knoop, WADI, Frankfurt/Main
Christian Knoop forscht über Geschlechterverhältnisse und Homoualität im Nahen Osten. Er wird über die Probleme der männlich dominierten Gesellschaft, über Sexualvorstellungen und die Folgen für das Geschlechterverhältnis sowie die Vorstellungswelt gewalttätiger Männer sprechen.
Hintergrund: Frauen im Irak
Das Erbe der Diktatur
Die Aufgabe, die den irakischen Frauen unter dem Ba'thstaat zukam, beschrieb 1991 die staatseigene Zeitung »Al-Jumhurriyah« folgendermaßen: »Jede irakische Mutter muss ihrem Säugling beibringen, wie man schießt, kämpft und heldenhaft stirbt.« Der radikale Nationalismus der Ba'thpartei war - vom Bild des »gütigen Vaters« Saddam Hussein und dem des Volkes als »unschuldig und rein« bis zur Kennzeichnung westlich-liberaler Demokratie als »Hure« - vollständig von einer männlichen Vorstellungswelt geprägt. In der alltäglichen Praxis hatten Frauen praktisch keinerlei Möglichkeiten, an politischen Entscheidungen zu partizipieren. Im Gegenteil: Obwohl der irakische Staat gerne damit warb, Schutz und Gleichberechtigung von Frauen rechtlich zu garantieren, wurden die Rechte irakischer Frauen stark eingeschränkt. Frauen durften nicht ohne männliche Begleitung das Land verlassen; innerfamiliäre Gewalt gegen Frauen aus »Gründen der persönlichen Ehre« bis hin zum Mord waren per Gesetz ausdrücklich erlaubt (die UN Frauenorganisation UNIFEM schätzt, dass mehr als 4.000 Frauen im Rahmen dieser Gesetzgebung legal ermordet wurden); Vergewaltigungen und Folter weiblicher Angehöriger wurden regelhaft eingesetzt, um Aussagen Inhaftierter zu erpressen; Frauen, der Prostitution beschuldigt, wurden öffentlich enthauptet. Gewalt und Angst prägte das Verhältnis von Bürger und Staat.
Terror und Ausnahmezustand
Islamistische und nationalistische Rebellengruppen setzen diese Gewalt fort. Islamische Milizen zwingen Frauen zur Verhüllung, halten Mädchen vom Schulbesuch ab und bedrohen Frauen, die sich ihrem Zwangsregime widersetzen. Im September 2003 wurde Aqila al-Hashimi, eine der damals drei Frauen im Regierungsrat, ermordet, im März 2004 starb die amerikanische Frauenrechtlerin Fern L. Holland bei einem gezielten Anschlag. Frauenaktivistinnen, Richterinnen und Anwältinnen, Journalistinnen und Lehrerinnen, die in der Öffentlichkeit auftreten, werden regelmäßig bedroht. Zu Opfern der Gewalt werden auch Frauen, die mit der Koalitionsverwaltung »kollaborieren«, wie vier Wäscherinnen, die in Bagdad im Januar 2004 ermordet wurden. Das Klima allgemeiner Angst und Gewalt in den Unruheregionen trifft Frauen auf vielfältige Weise. Frauen und Mädchen trauen sich in diesen Gebieten vielfach nicht, das Haus zu verlassen, weil »Aufständische« - die sich zum großen Teil aus den ehemaligen Mitarbeitern der Armee und der Sicherheitskräfte der gestürzten Diktatur, aus perspektivlosen jungen Männern und Kriminellen rekrutieren - rücksichtslos gegen Zivilistinnen vorgehen. Human Rights Watch berichtet von einer hohen Zahl an Vergewaltigungen, Entführungen und Morden an Frauen.
Häusliche Gewalt und gesellschaftlicher Ausschluss
Äußere Gewalt und Bedrohung werden regelhaft nach Innen weitergeleitet. Die Legalisierung häuslicher Gewalt gegen Frauen unter Saddam Hussein hat zu einer vollständigen Verfügungsgewalt der Männer über ihre weiblichen Angehörigen geführt. Frauen, die vermeintlich die Ehre der Familie verletzt haben, werden nicht selten grausam ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Zwangsehen und Genitalverstümmlungen sind in ländlichen Gebieten nach wie vor verbreitet. Frauen werden vielfach daran gehindert, Schulen zu besuchen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Über 40 % der irakischen Frauen, schätzt die Weltbank, sind Analphabetinnen. Vor dem Irakkrieg besuchten in den von der Hussein-Regierung kontrollierten Gebieten lediglich 35 % der Mädchen eine Schule. Frauen sind in besonderem Maße auch von der ökonomischen Situation des Landes getroffen. Nur etwa 10 % der Frauen gingen der UN Entwicklungsorganisation UNDP zufolge vor dem Krieg einer »wirtschaftlichen Tätigkeit« nach, während die Zahl der weiblich geführten Haushalte in Folge von Kriegen und Säuberungskampagnen, bei denen Männer verschleppt oder getötet wurden, enorm angestiegen ist. Der Human Development Report der Vereinten Nationen listete den Irak 2002 auf Platz 126 von insgesamt 174 Staaten ein, was Gleichberechtigung und Frauenrechte betrifft.
Fraueninitiativen und demokratischer Wiederaufbau
Etwa 60 % der irakischen Bevölkerung sind weiblich. Mit dem Sturz Saddam Husseins sind im gesamten Land Fraueninitiativen entstanden, die für mehr Rechte und eine stärkere Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen eintreten. Anlaufstellen wurden eröffnet, in denen Frauen in Krisensituationen und Opfer männlicher Gewalt professionelle Hilfe finden, aber auch Frauenzentren mit Ausbildungskursen, Internetcafés und Frauenbibliotheken. Auf mehreren Konferenzen haben sich irakische Frauen für eine stärkere Repräsentation in der Übergangsregierung eingesetzt und verhindert, dass Regelungen aus der Scharia im Familien- und Zivilrecht übernommen wurden, wie es islamische Parteien im Regierungsrat durchgesetzt hatten. Im 25-köpfigen Übergangsrat befand sich bis Juni 2004 lediglich eine Frau. Von den 30 Ministern der jetzigen Übergangsregierung sind sechs weiblich. Die Übergangsverfassung legt für die Nationalversammlung eine Quote von 25 % weiblicher Abgeordneter fest. In allen Teilen des Landes engagieren sich Frauenrechtlerinnen gegen die »Geschlechterapartheid« im Irak.
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