 | Typisch - prompt zu den Ferien geht das Thema wieder los in der veroeffentlichten Meinung.
Ausgerechnet die Fans der freien Wirtschaft, die sonst immer fuer ''weniger Staat'' und Steuersenkungen plaedieren, votieren auf einmal fuer die Einfuehrung von (Studien-) Gebuehren. Wundert sich jemand?
Vielleicht nicht so sehr, denn sie fordern im Sinne von Sankt Florian (''Verschon' mein Haus, zuend' and're an!'') die Gebuehren nicht von der Industrie oder eine bessere Finanzierung von Staat und Land, sondern einfach von anderen Leuten, von den Studenten. Die Lobby will Geld von der schwaechsten Gruppe mit dem geringsten Organisationsgrad: den 'kleinen Leuten'.
''Sozialvertraeglich'' natuerlich - was das bedeutet, erkennt derjenige, der die Bafoeg-Finanzierung der letzten Jahre betrachtet.
Werbung statt Debatte
Nicht dass diese handaufhaltenden 'Bildungspolitiker' fuer allgemein hoehere Steuern plaedieren, um die maroden Hochschulen zu renovieren - dafuer ist kein Geld da - oder wenigstens fuer eine Umverteilung innerhalb der Haushalte. Stattdessen wird fuer Gebuehren plaediert, und man tut so, als ob die im Verhaeltnis immer noch geringen Summen die schlechte Situation an den Schulen korrigieren koennten.
Es sind die Vertreter der Medienkonzerne wie Bertelsmann und seinem C.H.E., die seit Jahren fuer die Einfuehrung von Gebuehren trommeln.
Begruendet in der Debatte wird das nicht, abgesehen von dubiosen Scheinargumenten wie ''Was nix kostet, ist auch nix'', und den Studenten muesste so ein Gefuehl fuer den Wert ihrer Ausbildung vermittelt werden. Dann sind sie 'Kunden', studierten schneller und 'gezielter' (auf die Rente hin ?), und alles waere viel bessser, oder so. Es gibt keine Diskussion, es einfach nur behauptet und als 'Tatsache' praesentiert. Werbung laeuft wie Gaensefuettern: Schnabel auf und immer rein. Der Kunde wird fressen, frueher oder spaeter. Es winken astronomische Gewinne auf dem bundesdeutschen 'Bildungsmarkt'.
Da werden in zeitlichen Abstaenden immer wieder 'Umfragen' veroeffentlicht, in denen Studenten erklaeren, sie waeren 'fuer' Studiengebuehren, wenn ... ohne dass man in den Fragebogen eine Wahlmoeglichkeit 'keine Gebuehren' gelassen haette.
Das traurige ist: das publizistische Trommelfeuer funktioniert. Die Studenten und ihre Eltern gewoehnen sich daran. ''Die Gebuehren kommen - so sicher wie das Maeuse-Gen im Gemuese''. Man muss nur oft genug ein 'natuerlich' oder ein 'selbstverstaendlich' in den Satz mit der Behauptung einbauen.
Orwell'scher 'Newspeak'
Letztendlich geht es offensichtlich um die Einfuehrung von marktwirtschaftlichen Beziehungen im Eltern-Kind- oder Erzieher- Kind-Verhaeltnis, damit man anschliessend 'Informations- Produkte' - aehnlich wie Musik-CDs, Pop-Videos, oder auch Nachrichten im Privat-TV - verkaufen kann. Dazu muss man natuerlich erst die privaten Tauschboersen dichtmachen, um den Markt unter Kontrolle zu kriegen - oder im Fall oeffentlicher Universitaeten: man muss ihnen einreden, als Kunden sind die Kinder allgemein besser dran.
Wie diese Form von 'Bildung' aussehen kann, erkannt man an den Nachrichten der privaten Fernsehsender (oder auch an den Murdock'schen TV-Produkten): regierungsfreundlich, bunt, unverbindlich.
Fuer Aus- und Weiterbildungszertifikate brauch man einen Markt, aber den muss man erst schaffen, sonst kauft die breite Masse den teuren Ramsch von 'B international' nicht. International gueltige Abschluesse wie den internationalen Baccalaureus gibt es zwar schon, aber nur fuer eine duenne Schicht sehr zahlungskraeftiger Kunden. Will man mit Bildung ein Geschaeft machen, muss man zunaechst die laestige staatliche Konkurrenz eliminieren, indem man dem 'Markt' (lies: Eltern und Kindern) einredet
Soziale Selektion in den Schulen
Die Pisa-Studie hatte auf die bestehende soziale Selektion in deutschen Schulen hingewiesen. Was der 'Informations-Konzern' Bertelsmann nun an den Hochschulen mit der sozialen Struktur in Deutschland veranstalten will, ist fuer die Firma etwa genauso wichtig wie sauberes Grundwasser fuer einen Chemiekonzern, oder Asthma bei Kindern durch Dieselruss fuer einen Automobilproduzenten: Hauptsache Scheerhoulderwellju.
Mal sehen, ob die Studenten die Bedeutung der Montagsdemos erkennen. Ein bisschen 'Krieg den Palaesten, Friede den Huetten' waere angemessen nach der Kohl-Schroeder-Aera, ein paar Montagsdemos mit Studis (Hartz IV ist schliesslich nicht die Krankheit, sondern nur _ein_ Symptom) - ein kleines bisschen Rollback fuer die NeoKons, die die Realeinkommen und die Binnenkaufkraft seit Jahren immer nur schrumpfen lassen, und immer nur Wirtschaftswachstum wie Manna vom Himmel predigen, das natuerlich auch nicht kommt.
Draco dormiens nunquam titilandus.
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